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Der Frack sitzt, die Pomade glänzt, schnell noch eine Blume fürs Knopfloch - nun darf das Grammophon zu Hause ruhen, Sonnabend wird ausgegangen, in die Tanzsäle und Lichtspielhäser. "Krokodile und andere Hausfreunde" heißt eine der bekannten Schallplatten. Das elfköpfige Palastorchester mit seinem Sänger Max Raabe gilt überall als schick, wie glänzende Auftritte im ausverkauften Kieler Schloß und im ebenso gefüten Berliner Wintergarten zeigen.
Mit dem Foxtrott "Anabell" wird schmissig gestartet, es folgt ein "so genannter Badesaisonschlager". Versierte Musiker wechseln zwischen mehreren Instrumenten und setzen an zum perferkten Satzgesang. Ein heulender Fuchsschwanz (nicht von einem Fux) wird zum Kernstück einer traurigen Weise (vielleicht aber doch?), eine aufgeblasene Brötchentüte wiederum zum Paukenschlag. Kein Stück klingt wie das andere, wunderschöne Arrangements sind das Sahnehäbchen des Orchesters.
Ein Publikum könnte gemischter kaum sein, das ätere Pärchen sitzt da lächelnd und in Gedanken mitschwofend neben blutjungen Nachtfaltern, die die authentisch präsentierten Schlager der 20er und 30er Jahre mitsingen. Ob "Was macht der Meyer am Himalaya", "Mein Gorilla hat ´ne Villa im Zoo" oder der Titelmelodie des UFA-Spielfilmes "Tänzerinnen für Südamerika gesucht" - ein Gassenhauer jagt den anderen, Applaus für Solisten wie die Geigerin Hanne Berger brandet immer wieder auf. Max Raabe steht ruhig an das Klavier gelehnt, wenn er d´ran ist, kommt er blitzschnell nach vorne und gibt mit rollendem Rrrrr den singenden Entertainer. Höflich werden Ansagen ans Publikum gerichtet, die nicht immer ganz ernst gemeint sind, man erkennt: Bei aller Liebe zum musikalischen Detail wird die eigene Art der Präsentation immer wieder ironisiert, Max Raabe macht zwischen den Worten kaum Pausen: "UndnunmeineDamenundHerrnprrräsentiiierrrenwirrr..." Im Quartett wird ein Ständchen gehaucht, so leise, daß man eine Stecknadel fallen hören könnte. Die eine oder andere Träne mag bei "Sweet and lovely" alte und junge Wangen herunter gekullert sein, dann kommt "Mein kleiner grüner Kaktus" und alles ist wieder gut. Virtuose Instrumentalpassagen, ´mal lauter, ´mal leiser, immer angenehm. Ein Sound, der nicht totzukriegen ist. Der Hit "Kein Schwein ruft mich an" ist als musikalische Weltreise von Amerika über Italien bis nach Rußland und China im Repertoire, souverän von Max Raabe an einem alten Dampfradio mit stimmlich imitierten Radiosendern aus aller Welt präsentiert. Auch der Ohrwurm vom "Rinderwahn" und die Umsetzungen von "Ooops, I did it again" (Britney Spears), "Sex Bombs" (Tom Jones) sind dabei, das Palastorchester schließt mit einer "schicken Orchesterrbearrrbeitung" von Karats "Sieben Brücken", verulkt "Kiss" von Prince. Nach vielen Zugaben und einem Rosenregen dürfen Max Raabe und seine Musiker unter stürmischem Beifall die Bühne verlassen.
Im Berliner Wintergarten wird varietegerecht das Programm, teilweise eher störend, von kleinen artistischen Einlagen durchbrochen: Les Soeurs Pilleres, zwei Comedydamen im Tütü, mit Einlagen auf dem Boden und am Trapez, der amerikanische Klamaukzauberer Ed Alonzo und Gilles Le Leuch als komödiantisches Faktotum Antoine und famos im zweiten Teil mit einer furiosen Diablonummer zu den Klängen des Kaiserwalzers. Wunderbar albern wird es bei "Wer hat Angst vorm bösen Wolf", bei dem an Disneys Zeichentrickfiguren erinnert wird. Trotzdem und vor allem auch deswegen zieht ein Hauch des alten Berlin in der Potsdamer Straße ein. Das sehr verehrte Publikum und wir sind entzückt.
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