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"Wir singen nicht, was sie zu hören gewohnt sind. Wir singen heute etwas ganz anderes!", so der Vorspruch aus "Vier Lieder für gemischten Chor", op. 13 von Hanns Eisler, komponiert 1928. Der nach eigenem Verständnis überzeugte Atheist beschäftigte sich sein Leben lang mit theologischen Fragen, sein Werk schuf er jedoch für die Menschen. Hanns Eisler nimmt die großen Traditionen europäischer Komponisten auf, spricht auch über deren Religiosität und fordert "redliches Komponieren", so wird er nicht müdfe gegen "liederliche Arbeiten", "Schwindel" und Dummheit anzugehen, dabei aber fordert er nicht allein präzise musikalische Gedanken, sondern ein angemessenes Verhalten der Musik zum Wort, zur Sprache und zur nicht zuletzt politischen Rede. Es gilt das in Worten Gesagte vielfältig, ja dialektisch auszulegen, damit "Vorgänge hinter den Vorgängen" (Brecht) durch die Musik zutage treten.
Hanns Eisler (1898 – 1962) ist Schüler von Arnold Schönberg in den Jahren 1919 bis 1923, ihm verdankt er nicht nur den "Tiefsinn des Handwerks", sondern auch seine Art der Analyse von Bach, Mozart, Beethoven, Schubert und Brahms. In den 20er Jahren überwirft er sich mit seinem Lehrer, Schönbergs "Pierrot lunaire" verhöhnt er als "alberne Provinzdämonik". Die großen Botschaften der Revolution von Marx, Engels und Lenin erreichen ihn. Die Novemberrevolution in Deutschland vermittelt ihm die Ansicht, daß die Welt grundsätzlich verändert werden müsse.
Als Musiker ist er unzufrieden mit dem bürgerlichen Konzertwesen, als Kommunist fordert er gänzlich andere Funktionen seiner Kunst. Er will den Arbeitslosen das Wort geben, damit sie fragen, ob ihr Los, stempeln zu gehen und auf dem Ku´damm Zündhölzer zu verkaufen, ewig gültig sei, auch dem "Nigger Jim", damit er noch am Galgen frage, ob es auch im Himmel eine Abteilung für weiße und "schwarze Gentlemen" gebe, den Baumwollpflückern und vielen anderen, damit sie sich zur Wehr setzen. Der Tonfall des prosaischen Alltags rückt ins Centrum und durchsetzt das musiklaische Gefüge. Auf den Plan ruft er den Jazz, Schlager, Operette, Revue, sogenannten Neobarock, Neoklassiszismus, die zweite Wiener Schule, ihre Lesart der großen Musiktraditionen als kompositionstechnisches Integral.
So begegnet er Ernst Busch, dem "Barrikaden-Tauber", der den Stil Eislerscher Lieder prägen wird, und Brecht. Mit der Musik zur "Maßnahme", zur "Mutter" und schließlich zu "Kuhle Wampe" entsteht der Proletenkult.
Im Solidaritätslied, dem Schlußgesang der Musik zum Arbeiterfilm "Kuhle Wampe" läßt sich die Arbeit mit Reihensegmenten ebensowenig überhören wie das Jazzinstrumentarium und der Song-Stil, der seinerzeit Menschenmassen in Bewegung zu versetzen vermochte. Als Gattungen und Stile werden Chöre, Songs, Schauspiel- und Filmmusik der Jahre 1928 bis 1933, Film-, Kammer-, Klaviermusik, Kantate, Oratorium und das klavierbegleitete Sololied benutzt.
Hanns Eisler setzt sich mit bürgerlicher Musik und den Werken der Arbeiterbewegung gleichzeitig auseinander, als Schönbergschüler und Kommunist verläßt er Deutschland, nachdem er noch das "Kominterlied" 1932 komponiert hatte, Musik als politische Waffe. In Moskau erfreut er sich, anders als andere Kommunisten einer "enthusiasmierten" Aufnahme, dennoch geht es weiter durch halb Europa, zu Konzerten, Kursen und Tagungen, bis er 1938 schließlich in den USA ankommt. Er setzt sich dort mit der amerikanischen Filmindustrie auseinander, das "Hollywooder Liederbuch" bietet ihm den Ausgleich. Mit Filmmusik baut er einen neuen Kompositionszweig für sich auf, so für Fritz Lang in "Hangmen Also Die", für Joseph Losey und den Dokumentarfilmer Joris Ivens, zwei Oscarnominierungen bringt ihm dieses ein. 1948 kommt er vor den McCarthy-Ausschuß und wird ausgewiesen. Er geht in den selbsternannten deutschen Arbeiterstaat.
Auch dort wechseln Erfolge mit Niederlagen, Aufschwung und Depression folgen einander. Er wird Nationalpreisträger 1. Klasse, muß sich jedoch wegen seiner gigantischen Pläne zu einer "Johann Faustus"-Oper peinliche Befragungen gefallen lassen. Er schreibt wieder Bühnenmusik, für Bertolt Brecht, für Wien (Nestroy-Couplet, "S´müßt dem Himmel Höllenangst werden"). Charakteristisch für diesen Komponisten mag folgendes sein: Während einer Rundfunkaufnahme beobachtete Hanns Eisler den Tonmeister, der ihm offenbar nicht aufmerksam genug die Partitur verfolgte. Auf seine Bitte, er möge besser aufpassen, meinte sein Gegnüber, dies sei nicht nötig. Eislers Antwort fiel wienerisch aus: "Was, a Genie saans? A Genie bin ich selber!"
Im strammen Viervierteltakt komponierte er die Nationalhymne der DDR: "Auferstanden aus Ruinen...", dennoch blieb er sein Leben lang österreichischer Staatsbürger.
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